Die Welt von oben. Der Traum vom Fliegen im 19. Jahrhundert

Richard Neuhauss (1855–1915), Otto Lilienthal am Fliegeberg in
Lichterfelde (Berlin), 1895, Silbergelatineabzug, Otto Lilienthal-Museum, Anklam

Titelseite der FAZ vom 12.11.2019: Der Traum vom Fliegen

„Wo die Liebe hinfliegt – Wir haben uns seit vielen Jahren an die Urlaubsreise im Flugzeug gewöhnt. Nun lernen wir langsam, uns für das Fliegen auch mal zu schämen. Eine Ausstellung in Baden-Baden führt uns zurück in die Zeit, in der sich nur Phantasten in die Luft erhoben und zugleich realistische Träumer wie Otto Lillienthal mit ihren Flugmaschinen, deren Form sie den Vögeln absahen, einige Meter durch die Luft segelten.“

 

Tilman Spreckelsen im Feuilleton der FAZ vom 12.11.2019: Lust und Grauen

„All das ändert sich in dem Moment, wo Flugpioniere wie Otto Lilienthal – die ausgestellte, großartige Fotoserie zu seinem Aufstieg im späten neunzehnten Jahrhundert lohnt allein den Besuch – und die Brüder Wright den Weg aufzeigen, tatsächlich mit den Vögeln konkurrieren zu können.“

„Beese (Melli Beese, 1886-1925, Anmerkung Museum LA8) aber kam zu einigem Ruhm als Pilotin und nutzte ihn, indem sie nun eine Flugschule gründete, in der es die Schülerinnen leichter hatten als einst sie. Mit einem französischen Piloten verheiratet, geriet sie zwischen die Parteien des Ersten Weltkriegs und verlor in der Folge ihre Lebensgrundlage. Ihre Leistung aber stellt diese Ausstellung ins rechte Licht, und dass das Thema an dieser und an anderen Stellen als noch längst nicht ausgeschöpft erscheint, spricht nicht gegen diese Schau. Im Gegenteil.“

 

Dirk Schümer im Feuilleton der WELT vom 23.10.2019: Mehr Flugstolz wagen

„Dieser Frühstufe des menschlichen Fliegens widmet sich im vermeintlichen Zeitalter der Flugzeugdämmerung eine erhellende Ausstellung im technikhistorischen Museum LA8 in Baden-Baden: „Die Welt von oben“.“

„Größtes Verdienst der Ausstellung: einen der wichtigsten Maler der bürgerlichen Zeit als Flugpionier vorzustellen. Kaum jemand wusste bislang nämlich, dass Arnold Böcklin schon ab den 1870er-Jahren hartnäckig an einem Flugapparat feilte, teilweise auf denselben Hügeln bei Florenz, auf denen schon Leonardo da Vinci seine Flugbeobachtungen gemacht hatte.“

„Doch kann die Schau überzeugend und mit fantastischem Fotomaterial vorführen, dass dieser 1896 tödlich abgestürzte Pionier aus Anklam (Otto Lilienthal, 1848–1896, Anmerkung Museum LA8) alles andere war als ein Fantast.“

 

 

 

28. September 2019 bis 1. März 2020

Das Fliegen hat Künstler und Techniker aller Epochen beschäftigt. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Fotografien, Maschinen, Modelle und Pläne aus dem Zeitalter, in dem das Fliegen technische Realität wurde: dem 19. Jahrhundert. Die Menschen hatten lange nur davon träumen können, sich die Flugtechnik der Vögel anzueignen und das göttliche Gefühl zu genießen, die Welt von oben zu betrachten. Der endgültige Durchbruch vom Traum zur technischen Realität des freien Flugs durch die Lüfte gelang Otto Lilienthal (1848–1896) zu Beginn der 1890er Jahre. Die der Vogelschwinge nachgeformte Tragfläche war für Lilienthal der Ausgangspunkt, der zu ersten erfolgreichen Gleitflügen und zur Entdeckung der bis heute angewandten Prinzipien des Auftriebs führte. Was den Gedankenflug der Künstler das gesamte 19. Jahrhundert hindurch beflügelt hatte, wurde zur revolutionären Techniktatsache: Zeit und Raum stehen nicht mehr fest, mit dem Flugzeug relativiert sich alles.

Lange war der Himmel den Vögeln und den Göttern vorbehalten gewesen. Dädalus wagte das mythische Abenteuer, Vogelschwingen nachzubauen, um seiner Gefangenschaft auf dem Luftweg zu entkommen. Das himmlische Privileg der antiken Götter und der christlichen Heiligen bestand aus ihrem souveränen Gleiten durch die Lüfte, ihrer mühelosen Überwindung aller Schwerkraft. Auch Götterboten, Engel, Genien und Eroten schweben durch die Lüfte, manchmal gestört durch Dämonen und Hexen. Diese Luftwelt hatten stets die Künstler zugänglich gemacht – bis die Piloten kamen.

In der Ausstellung sind unter anderem Werke von Francisco de Goya, Honoré Daumier, Hans Thoma und Max Klinger zu sehen. Den wenig bekannten Flugexperimenten des berühmten Malers Arnold Böcklin wird erstmals breiter Raum gegeben. Die Pionierflüge Otto Lilienthals begeisterten die Fotografen, was zu spektakulären fotografischen Zeugnissen dieser Technikrevolution führte. Der als Fabrikant, Erfinder, Spielzeugentwickler und Theatergründer tätige Lilienthal erweist sich als eine Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts. Das nach ihm benannte Museum in Anklam ist Kooperationspartner der Ausstellung. Ergänzt durch viele Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, bietet die Gesamtschau ein breites Panorama von Flugtraum und Flugwirklichkeit im 19. Jahrhundert.

 

Besucherstimmen:

"Eine sehr schöne und informative Ausstellung!"

"Hochinteressant, die Anfänge auf den Fotos sehen zu können."

""Die Welt von oben" war sehr interessant!"

"War sehr interessant und hat viel Spaß gemacht"

"Sehr schön aufgearbeitet, phantastischer Katalog dazu, der alles noch vertieft: inspirierend!"