PRESSESTIMMEN

 

SCHEIN ODER SEIN. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts

     

         

      Simon Strauß für die FAZ, 9.4.2019: „Wer ist Herr in diesem Haus? Nachhilfestunden für Selbstdarsteller: Früher nahm der Bourgeois Schauspielunterricht. Eine Ausstellung in Baden-Baden erforscht das Verhältnis von Bühne und Bürgertum. Auf zwei Etagen erzählt die Baden-Badener Ausstellung „Schein oder Sein – der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts" übersichtlich und anhand ausgewählter Bilder und Objekte von einer identitären Umbruchszeit.

       

      Daniel Stender für Deutschlandfunk Kultur, 6. April 2019, „Rang 1": „Nur durch die Inszenierung ihrer Persönlichkeit – so Winzen – können sich die Bürger damals unterscheiden, zur eigenen Marke werden. Interessanterweise geschieht das exakt parallel in den Jahrzehnten, in denen das Hoftheater zum Stadttheater wird, also das Theater verbürgerlicht sich und das Bürgertum theatralisiert sich. Die Ausstellung belegt diese These mit wissenschaftlicher Akribie, auf zwei Ebenen zeigen sie Bühnennachbildungen, Kostüme, Wohnzimmer, Fotos, Gemälde. Auch das Theater selbst rückte damals in den Fokus – das Publikum musste die Rituale einer Vorstellung damals noch lernen."

       

      Rüdiger Krohn für BNN, 27. März 2019: „Die aufschlussreiche Schau, im Zusammenwirken mit dem benachbarten Theater Baden-Baden erstellt und von der Bonner Kunsthistorikerin Irene Haberland kuratiert, ermöglicht in inszenierten Abschnitten mit einer opulenten Fülle von sehenswerten Exponaten einen mal amüsanten, mal auch ernsthaften Blick auf den Vorgang, bei dem der Geist der neuen, bürgerlichen Zeit sich in ihrem Verhältnis zum Theater spiegelt und zugleich aus dieser Beziehung Impulse für die Darstellung der eigenen Wirklichkeit bezog. (…) Zahlreiche Schaustücke führen vor, wie die Bürger sich in öffentlichen Auftritten, im privaten Leben und gesellschaftlichen Verhalten an alten Vorbildern orientierten, diese Muster jedoch durch Theatralisierung verfremdeten und den eigenen Bestrebungen dienstbar zu machen suchten. Dieses Wechselspiel von Nachahmung und Absetzung wird in der Baden-Badener Schau aspektreich vorgeführt. (…) Besuchenswert ist die Schau allemal, zumal sie durch eine Reihe von schönen Bühnenmodellen, grandiosen Bildern (wie den köstlichen, bissigen Lithografien von Daumier), Kostümen und einer historischen Windmaschine aus dem Fundus des Baden-Badener Theaters genügend Augenfutter liefert und der Betrachter sich mal vor, mal hinter der Bühne findet und schnell auch mal Teil der Inszenierung wird."

       

      Hans-Dieter Fronz für die Badische Zeitung online, 29. März 2019: „Die These der "Theatralisierung des bürgerlichen Lebens" untermauert die Schau mit einer Vielzahl von Exponaten. Ganz nebenbei schreibt sie die Archäologie heutiger Selbstdarstellerbühnen. Etwa des Displays unserer Smartphones, dieser Selfie-Maschine..."