BADEN IN SCHÖNHEIT. Die Optimierung des Körpers im 19. Jahrhundert

Ab dem 21. März bis 6. September 2020 zeigt das Museum LA8 die Ausstellung

„BADEN IN SCHÖNHEIT. Die Optimierung des Körpers im 19. Jahrhundert“.

 

 

Pressekonferenz: am Dienstag, den 17. März 2020, um 11 Uhr

 

 

Eine Badekur kann Entspannung, Erholung, Heilung, Training, Straffung, Verjüngung, Verschönerung bieten. Wellnessbäder, Fitnessclubs, Körperkult bis zur plastischen Chirurgie, Zahnspangen für Teenager als medizinischer Standard – viele heutige Körpertechniken nehmen ihren Anfang in der Badekultur des 19. Jahrhunderts. Damals mischten sich künstlerische Ideale und medizinischer Fortschritt, Gesellschaftsutopien und Apparatetechnik zu einem neuen Menschenbild. Der Leib war nun nicht mehr Gott und Natur schicksalhaft ergeben. Als Körper wurde er zum Projekt, zum zukunftsoffenen Entwurf.

Die Ausstellung zeigt ein Panorama der künstlerischen und medizinischen Strategien, den menschlichen Leib zu befreien – vom banal Zufälligen, Unidealen oder gar Hässlichen und von Krankheiten, Missbildungen oder Alterungsspuren. Maler, Bildhauer und Fotografen wie Christian Landenberger (1862-1927), Ludwig von Hofmann (1861-1945), Karl Albicker (1878-1961) und Sascha Schneider (1870-1927) feierten den nackten weiblichen wie männlichen Körper beim Baden in freier Natur. Gusseiserne Turnapparate wie der Rumpfdrehstuhl von Gustav Zander (1835-1920) sollten die Gesundheit, aber auch die äußere Erscheinung des Menschenkörpers verbessern. Aus der Bildhauerei wanderte die Idee der freien Formbarkeit der Körperhülle in den frühen Fitnesskult ein.

Forschung und Wissenschaft ermöglichten den immer präziseren Eingriff in die menschlichen Organe und ihre Abläufe. Viele damalige Innovationen und Erfindungen sind bis heute gültig und erfolgreich, weil sie konsequent das Unsichtbare, das körperlich und seelisch Innere, mit dem Sichtbaren, dem Messbaren, Trainierbaren, Operierbaren verknüpften. Die mikroskopische Einsicht in Bazillen und Erreger führte zu allgemeiner Hygiene, klinischer Antisepsis und völlig neuen chirurgischen Möglichkeiten. Ab 1895 konnte mit der Röntgentechnik direkt in das Körperinnere hineingeschaut werden. Die moderne Technik schien eine Art rationalen Gesundheitszauber zu erlauben.

Immer beinhalteten die Therapien Ziele oder Versprechungen, die unter der Hand zu Leitbildern des Körperselbst und Vorschriften der Lebensführung werden konnten. Wie die medizinische Technik experimentierten auch Malerei und Skulptur im 19. Jahrhundert mit der realistischen Erforschung, idealischen Verschönerung und gezielten Optimierung des menschlichen Leibes. So lieferte die Kunst die visuellen Leitbilder für die medizinische Optimierung.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Kooperationsprojektes BADEN gemeinsam mit dem Stadtmuseum Baden-Baden und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden statt.

 

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Die unten angegebenen Beschreibungen entsprechen den Bildunterschriften.

 

 

Presseabbildungen - BADEN IN SCHÖNHEIT. Die Optimierung des Körpers im 19. Jahrhundert

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Beschreibung

Vorschau

Schwimmer (JPG, 4.97 MB)

Bauchschwimmen und Rückenschwimmen, aus: Friedrich Eduard Bilz: Das neue Naturheilverfahren, Leipzig 1910, Privatsammlung

 

HohesSinnen
(JPG, 2.91 MB)

Sascha Schneider (1870–1924),

Hohes Sinnen, 1903, Öl auf Leinwand, Stiftung Klassik Weimar

Liegende (JPG, 8.52 MB)

Karl Albiker (1878-1961), Liegende, 1912/13,

Bronze, Slg. Ettlingen, Karl-Albiker-Stiftung

Rumpfdrehstuhl (JPG, 5.51 MB)

Rumpfdrehstuhl nach G. Zander, 1880 - 1900, hergestellt von Schwarz & Co., Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt.

Die Zandergeräte erinnern an Inventar heutiger Fitnessstudios, waren aber bereits um 1900 in Deutschland sehr beliebt.

 

AdolfJust (JPG, 3.32 MB)

Unbekannter Fotograf,
Adolf Just (1859-1935) im Jungborn, 1900,

Förderverein Jungborn Harz e.V.

Adolf Just war als Laienmediziner Gründer der Kuranstalt Jungborn im Harz und ein Verfechter einer streng fleischlosen Kost. Er propagierte die naturgemässe Lebensweise als einziges Mittel zur Heilung aller Krankheiten und Leiden des Leibes, des Geistes und der Seele. Luftbäder sowie Kneippkuren fanden in seiner Kuranstalt Jungborn Anwendung. Jungborn leitet sich vom Begriff des Jungbrunnen ab.

GymnastischeUebungen (JPG, 8.61 MB)

Gymnastische Übungen, aus:

Friedrich Eduard Bilz: Das neue Naturheilverfahren, Dresden, Leipzig 1926, Zwischenblatt, Privatsammlung

Grandville (JPG, 7.00 MB)

Grandville (Jean Ignace Isidore Gérard) (1803 -1847), Ecole de natation — swimming school, Pl. 6, aus: Les Metamorphoses du jour, 1829, Sammlung Dieter Ante 

Elektrisierkoffer (JPG, 2.66 MB)

   

 

Elektrisierkoffer, 1900, Technoseum Mannheim, Foto: Klaus Luginsland.

Elektrisieren ist gesund! wirbt der Versandhauskatalog Stukenbrok 1912. Erste therapeutische Versuche mit Elektrizität unternahm bereits seit 1744 Prof. Dr. Johann Gottlieb Kratzenstein (1723–1795). Mit der alltäglichen Verfügbarkeit der Elektrizität wurden die  Elektrisier-Apparate zu Alltagsprodukten und fanden sich alsbald an Bahnsteigen, um den Reisenden fit für die Weiterfahrt zu machen oder zum Wohle der Gesundheit in zahlreichen Haushalten.

 

 

 

Roentgen (JPG, 2.69 MB)

Franz Stoedtner (1870-1946),  Roentgen-Untersuchungstisch für Brustkorbdurchleuchtung, 1900/1940, SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Franz Stoedtner

Brandung (JPG, 4.45 MB)

Ludwig von Hofmann (1861-1945), Brandung, 1910, Öl auf Leinwand, 53 x 65 cm, Alfons Niedhart, Zürich

BadImWaldsee (JPG, 7.14 MB)

Ludwig von Hofmann (1861-1945), Bad im Waldsee, um 1890, Farblithographie auf Papier, Alfons Niedhart, Zürich

Juenglinge (JPG, 6.16 MB)

Ludwig von Hofmann (1861 -1945), Jünglinge am Meer, 1890, Öl auf Leinwand, Stiftung Klassik Weimar

DasLetzteBad (JPG, 2.45 MB)

Honoré Daumier (1808-1879), Le dernier bain! Das letzte Bad! (DR 800), Federlithografie, in Le Charivari 07.06.1840, Sammlung D. Ante

Glaubensbekenntnis (JPG, 8.08 MB)

Honoré Daumier (1808-1879), EIN GLAUBENSBEKENNTNIS. Ja Monsieur, ich habe meine politische Position klar und offen vor dem Land entblösst. Ich war sicher, dass meine aufrichtige Liebe zu unserem System mich würdig machen würde, meine Mitbürger zu vertreten... ich habe mich offensichtlich getäuscht Monsieur, sehr getäuscht!!, in: Le Charivari, 23.09.1842, Lithographie, Honoré-Daumier-Gesellschaft