HANS THOMA. Wanderer zwischen den Welten

Liebespaar mit Amor und Tod, 1877, Öl auf Papier,
H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt a.M.,
Foto: Heinz Pelz, Karlsruhe

Bis 4. März 2018

 

 

 

 

„Welche Vorstellungen auch immer man von Thoma hegte, eine wird man nach dieser Ausstellung verlieren – die des naiven Heimatmalers.“, so schreibt Tilman Spreckelsen am 13. Januar 2018 im Feuilleton der FAZ. Die Ausstellung „HANS THOMA. Wanderer zwischen den Welten" präsentiert Gemälde, Zeichnungen und Grafiken von Hans Thoma (1839–1924) sowie Aspekte, die über die bekannte Vorstellung vom Maler seiner Schwarzwälder Heimat hinaus weisen.

Selten ausgestellte Werkgruppen führen das thematische Spektrum und die Weltläufigkeit des berühmten Künstlers aus Bernau vor Augen. Befreundet mit Arnold Böcklin und Adolf von Hildebrand, findet Hans Thoma auf seinen Italienreisen zum besonderen Licht seiner Landschaftsmalerei und zu fantastischen Anverwandlungen antiker und christlicher Motive. In seinen Entwürfen für die handwerkliche Möbelherstellung der Schnitzereischule Bernau und die Keramikproduktion der Majolika in Karlsruhe erweist sich Thoma als Mittler zwischen dem englischen Arts and Crafts Movement und jener Moderne, die später zur Gründung des Bauhauses führte.

Die Ausstellung widmet sich Hans Thoma als genialischem Bilderfinder und als handwerklich präzisem Gestalter anspruchsvoller Alltagsgegenstände. Die weite Spanne seiner Produktivität bewältigt Thoma stets mit einer Art überscharfen in-den-Blick-Nehmens. Unter Thomas Blick erscheinen Menschen und Dinge so nah, dass sie dadurch fremd werden. Dabei fügt der Maler seinen Gegenständen keine mutwillige Verfremdung hinzu. Vielmehr erwächst die Infragestellung des scheinbar Bekannten wie von selbst aus der genauen, eindringlichen Betrachtungsweise Thomas. In der Ausstellung sieht der Besucher Hochtäler des Schwarzwalds und italienische Landschaften, allerdings anders. Thoma kombiniert Eindrücke der Bernauer Heimat mit solchen der Campagna und setzt in diese Szenerien alltägliche Spaziergänger ebenso wie mythologische Fabelwesen von bestechender Präsenz. Die Vergegenwärtigungen biblischer Figuren sind weit entfernt von erzählerischer Illustration und nahe bei ekstatischer Erscheinung.

Selten gezeigte Gemälde aus allen Schaffensperioden dieses langen, bis zum Schluss erfindungsreichen Künstlerlebens vermitteln einen Eindruck von Thomas Vielfalt und Intensität. Zwei Skizzenbücher gestatten, dem Künstler bei der Ideenfindung gewissermaßen über die Schulter zu schauen. Zum ersten Mal publizierte Blätter geben Eindrücke von Thomas erster Italienreise 1874 wieder. Thomas Entwürfe zu Möbeln und Keramiken sowie markante Beispiele der ausgeführten Stücke belegen seine Originalität als Gestalter und seine Rolle als Mitbegründer der Karlsruher Majolika. Als bereits etablierter Künstler eignete sich Thoma in den 1890er Jahren das für ihn neue Feld der Druckgrafik an und gelangte mit großer technischer und motivischer Experimentierfreude in seinen Radierungen, Lithografien, Algrafien und Tachografien bald zu souveräner Meisterschaft.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Augustinermuseum in Freiburg. Zusätzliche Leihgaben stammen aus renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen.

 

 

 

GEDIEGENER SPOTT. Bilder aus Krähwinkel

Anonym: Die Auserwählte eines Krähwinkler Zierbengels führt ihren Geliebten an der Nase herum (Detail), kol. Kupferstich, Slg. D. Ante

24. März bis 2. September 2018

Ab 24. März 2018 zeigt das Museum LA8 in Baden-Baden die Ausstellung „GEDIEGENER SPOTT. Bilder aus Krähwinkel"

 

Das Biedermeier in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts bestand nicht nur aus behaglichen Möbeln, Hausmusik und unpolitischer Privatheit. In den bürgerlichen Wohnstuben wurde manchmal laut und frech gelacht, und zwar über die lustigen Grafiken, die das absurde Treiben der anständigen Bürger in Krähwinkel zeigten. Die beliebten Drucke sprengten gewohnte Redewendungen auf, indem sie diese allzu direkt in Bildszenen übersetzen. Kunstmaler, die auf der Suche nach Inspiration durch die Landschaft streifen, wurden dann etwa gezeigt, wie sie hingebungsvoll lange Streifen in die Landschaft malen. Als altehrwürdige Sprichwörter nicht mehr Ordnung und Sinnzusammenhang gewahrleisteten, bekam die geschlossene Idylle einen Knacks und öffnete sich für die Bildbetrachter durch ihr eigenes verblüfftes Lachen. Aus der Mitte der braven Biedermeier-Welt entsprang ebenso paradox wie folgerichtig eine anarchistische Komik, eine scheindoofe Unterbietungsstrategie von infantilem Humor, den Obrigkeit und Zensur kaum so effizient unterdrücken konnten, wie die politischen Texte der Vormärz-Dichter.

Der Name Krähwinkel für eine fiktive Kleinstadt, das Zuhause kleinbürgerlicher Beschränktheit irgendwo in der deutschen Provinz, taucht erstmals bei Jean Paul (1763-1825) auf. August von Kotzebue (1761-1819) bringt in sein Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter" deutliche Gesellschaftskritik ein. Aus der Literatur – auch Heinrich Heine widmet sich den Krähwinklern – findet das Sujet schnell seinen Weg in die bildliche Darstellung. Für den Verlag des geschaftstüchtigen Friedrich Campe (1777–1846) zeichnen unter anderem der Nordlinger Johann Michael Voltz (1784–1858) und der Leipziger Künstler Christian Gottfried Heinrich Geisler (1770–1844). Ihre Karikaturenblätter erfreuen sich großer Beliebtheit, werden vielfach nachgedruckt und in Alben gesammelt.

Die Ausstellung kombiniert historische Rekonstruktionen biedermeierlich geschlossener Wohnstuben (und Puppenstuben) mit dem grafischen Aufbruch in die Bilderwelt des befreienden Lachens und präsentiert über 200 Einzelblatter aus einer bedeutenden Privatsammlung sowie weitere Leihgaben aus dem Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover.