WILHELM BUSCH. Bilder und Geschichten

Wilhelm Busch, Der kleine Maler mit der großen Mappe (Detail), 1859
aus: Münchener Bilderbogen Nr. 248, Slg. D. Ante
In Kooperation mit dem Wilhelm Busch Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst

29. September bis 3. März 2019

Ab dem 29. September zeigt das Museum LA8 in Baden-Baden die Ausstellung „WILHELM BUSCH. Bilder und Geschichten“.

Die Schau zeigt Wilhelm Busch (1832-1908) als den berühmten Schöpfer lustig-scharfsinniger Bildergeschichten und als fortschrittlich experimentellen Landschafts- und Porträtmaler. Zu sehen sind seine populären Figuren wie die fromme Helene oder Max und Moritz und seine innovative Malerei zwischen Naturbeobachtung und gestischer Erfindung. Während seine Bildergeschichten für Busch zu großen publizistischen und finanziellen Erfolgen wurden, entwickelte sich seine Malerei abgewandt von der Öffentlichkeit als radikales Probieren und fortgesetzte Suche. Beide Schaffensbereiche sind künstlerisch verbunden durch das Unfertige: meisterhaft zu Bildwitz und Tempo stilisiert in den Bilderfolgen, unverstanden seiner Zeit voraus in der Malerei.

„Rums, da geht die Pfeife los ...!" – In einer Max und Moritz-Episode zeichnet und beschreibt Busch einen zentralen Wendepunkt des 19. Jahrhunderts. Sein Lehrer Lämpel wird jäh aus der „Zufriedenheit" gerissen. Das Biedermeier, die Behaglichkeit, das historistische Verharren – alles fliegt „im Pulverblitz" durcheinander und sortiert sich neu. Das Leben fliesst nicht mehr gemächlich dahin, plötzlich ist alles gesteigerte Gegenwart, und Busch verleiht ihr mit rasanten lautmalerischen Knalleffekten höchste Aktualität. Als Zeichner lustiger Geschichten gelang Busch eine Art Film vor dem Film. Das rasante gesellschaftliche und technische Entwicklungstempo seiner Epoche vermochte Wilhelm Busch mit dem Erzähltempo seiner unterhaltsamen Gebrauchskunst getreuer in Bilder zu fassen, als es die repräsentative Hochkunst vieler Künstlerkollegen vermochte. So wurde Wilhelm Busch zum großen Wegbereiter der Populärkultur der frühen Moderne. In Windeseile verbreiteten sich seine Geschichten, angeführt von Max und Moritz, in Europa und bis nach Amerika, wo sie sich in der neuen Welt der Comicstrips weiterentwickelten.

Weniger bekannt ist, dass Busch sich eigentlich als Maler betrachtete. Erst nach seinem Tod erlangten auch seine Gemälde Aufmerksamkeit. Mit der „stillen Welt des Pinsels“ jedoch hatte sich Busch in seinen Münchner Jahren nie zufrieden gegeben, war er dort doch Teil der jungen, aufsässigen Kunstszene. Die späteren Malerfürsten Franz von Lenbach und Friedrich August Kaulbach gehörten zu den engsten Weggefährten. In seinen kleinformatigen Landschaftsbildern betrieb er die Auflösung der Form, in seinen figuralen Gemälden vermittelte er einen irritierenden Realismus.

Die Ausstellung zeigt ebenso den universell Begabten wie den frühvollendeten Welterfolgskünstler, der seit 1878 die letzten 30 Jahre seines Lebens kauzig in provinzieller Abgeschiedenheit verbrachte.

 

Lange Nacht über Wilhelm Busch im Deutschlandfunk

Am Samstag, den 15.12.2018 fand ab 23:05 Uhr unter dem Titel "Ich habe eine philosophische Erkältung" eine Lange Nacht über Wilhelm Busch statt. Weitere Informationen erhalten Sie hier. Hier können Sie den Beitrag nachhören:

 

Was andere über uns sagen:

Besucherstimmen:

"Eine wunderschöne Ausstellung"

"Wusste nicht, dass Busch solch ein Allround-Talent ist"

"Ganz tolle Ausstellung, vielen Dank!"

"Wir kamen wegen zwei Ausstellungshäusern, für die es sich lohnt, extra herzufahren: neben der Staatlichen Kunsthalle ist es Ihr Haus. Vielen Dank!"

"Ausgerechnet diesen - welche Max und Moritz hießen, habt ihr hier so nett gedacht - haben selten so gelacht"

"Wilhelm Busch sollte mehr gewürdigt werden. Danke für die Ausstellung"

"Hat sich gelohnt! Sehr interessant!"

"Wilhelm Busch bleibt einmalig!"

"Sehr interessant und toll gemacht (Audioguide & Co), auch für Teenager"

 

 

SCHEIN ODER SEIN. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts

Photoatelier E. Lange, Carte-de-Visite, um 1865

FREUEN SIE SICH MIT UNS AUF UNSERE JUBILÄUMSAUSSTELLUNG!

Vom 30. März  bis 8. September 2019

Ab dem 30. März zeigt das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts zum 10-jährigen Bestehen die Jubiläums-Ausstellung „SCHEIN ODER SEIN. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts". Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Hoftheater nach und nach durch Stadttheater ersetzt. Die Bühnenstücke handelten nun auch vom Alltag, von der Gegenwart, von normalen Bürgern. Dem Aufstieg des bürgerlichen Theaters stand die zunehmende Theatralisierung des bürgerlichen Alltags gegenüber. Aus dem festen Gefüge der alten Ständeordnung entlassen, war der Bürger nun darauf verwiesen, zum Darsteller seiner selbst zu werden. Seine innovativen Leistungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft musste der Bürger nicht nur erbringen. Sie mussten in Konkurrenz zu vielen anderen, ebenfalls fleißigen Individuen gebührend in Szene gesetzt werden.

Die Theatralisierung des bürgerlichen Lebens verwandelte viele Alltagsräume in Bühnen. Die gute Stube wurde zum Salon, in dem Gäste und Gastgeber ihre Auftritte inszenierten, umgeben von Möbeln, die ihren Gebrauchszweck als aufwändige Miniarchitekturen performativ überhöhten. Im damals neuen fotografischen Atelier trat die ganze Familie im Sonntagsstaat vor dem Maschinenauge der Kamera auf. Malerei und Karikatur zeigten die Spannung von alltäglicher Realität und dramatischer Fiktion, wirkmächtig in den Gemälden von Carl Gehrts (1853-1898), spöttisch in den Theater-Lithografien von Honoré Daumier (1808-1879).

Die Ausstellung thematisiert die Kunst und Technik des eindrucksvollen Auftritts im 19. Jahrhunderts. Zu sehen sind historische Bühnenentwürfe und –requisiten, architektonische Modelle exemplarischer Theaterbauten, künstlerische und alltagspraktische Produkte der neuen Kulturtechnik des Performativen sowie zeittypische Atelierfotografien, auf denen manchmal nicht zu unterscheiden ist, ob sich ein Schauspieler in seiner Bühnenrolle oder ein Bürger in seiner Alltagsrolle für die Kamera inszenierte.

Die Besucher gehen durch einen Ausstellungsrundgang, der sie vor, auf und hinter die Bühne führt. Zu sehen sind historische Bühnenbilder aus Zuschauersicht. Dann wieder gelangen die Besucher auf eine Bühne, als seien sie selbst die Schauspieler. Oder sie finden sich hinter den Kulissen wieder, wo Geräuschmaschinen und verborgene Spezialeffekte auf ihren dramatischen Einsatz lauern.

Die fließenden Übergänge von Zuschauer- und Bühnenraum, von alltäglichem Sein und theatralischem Schein, machen einen historischen Vorgang für die Museumsbesucher räumlich erlebbar. Das Performative sprang im frühen 19. Jahrhundert von der Bühne auf den Alltag über. Damals begann, was viele Alltags- und Berufsfelder bis heute prägt: Du musst es nicht nur gut machen. Es muss den anderen auch auffallen. Der leistungsstarke Performer in der Firma, der Selfie-Poser von heute – sie nehmen ihren Anfang im historischen Übergang vom Hof- zum Stadttheater, der zugleich die Selbstinszenierung zum festen Bestandteil bürgerlichen Lebens machte.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Kuratorin Dr. Irene Haberland, Bonn, und ist eine Kooperation mit dem Theater Baden-Baden.