TECHNISCHE PARADIESE

Carl Olof Petersen,
Titelbild von Hans Wettich:
Die Maschine in der Karikatur.
Ein Buch zum Siege
der Technik,
Berlin 1916 (Bild bearbeitet)

Die Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts


24. September 2016 bis 5. März 2017

 

Im 19. Jahrhundert bekam die Karikatur ein Thema zu fassen, mit dem sich die anderen Künste, zumal die Historien- und Salonmalerei, schwer taten: die technische Revolution mit all ihren Triumpfen und Überraschungen. Die Karikatur war das ideale Medium, um die ungläubige Bewunderung, die Begeisterung und die Befürchtungen der Zeitgenossen für die neue Technik im Alltag auszudrücken. Als Kunst für das Aktuelle und für ein großes Publikum begleitete die Karikatur den revolutionären Aufstieg der Maschine von Nahem. Ab dem 24. September zeigt das Museum LA8 in Baden-Baden die Ausstellung „TECHNISCHE PARADIESE. Die Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts“ 

Die Ausstellung (ent-)führt die Besucher in damals neuartige „Technische Paradiese“, so wie die großen Namen der europäischen Karikatur des 19. Jahrhunderts die maschinelle Erlösung von aller körperlicher Mühsal wahrnahmen: George Cruikshank, William Heath, Grandville, Honoré Daumier, Albert Robida, Wilhelm Busch, Heinrich Kley und andere mehr. Zu sehen sind über zweihundert Einzelblätter aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen sowie historische Technikobjekte, etwa eines der ersten Automobile – aus Holz. Die Besucher durchleben die spannenden, ironischen, euphorischen, grotesken, skeptischen, lachhaften Etappen mehrdeutiger Annäherungen. Gesucht war ein wie auch immer angemessener Umgang mit der neuen, ebenso hilfreichen wie beunruhigenden Mitspielerin im Alltag, die den Menschen entlastete, indem sie ihn immer auch ein wenig enteignete: mit der Maschine. 

Der Triumpf der Maschinen war unübersehbar und doch in seiner tieferen Bedeutung schwer zu fassen. Es tat sich ein Spalt auf zwischen der rasanten Technikentwicklung einerseits und der tastenden kulturellen Deutung andererseits. Die Menschen wussten oft nicht, wie sie den weltgeschichtlichen Neuankömmling Maschine einordnen sollten: als eine Art Tier („Dampfross“), als halbmenschlichen Automaten, als himmlische (oder frühsozialistische) Erlösung von körperlicher Arbeit, als Frevel an der Natur oder mythischen Fluch? In dieser Lage vollbrachte die Karikatur eine paradoxe kulturelle Integrationsleistung: Annäherung durch Ablehnung. Durch Spott und mutwillig schräge Vergleiche eignete sie sich die epochale Neuheit Maschine als feuerspeienden Drachen, Dampfross, eiserne Spinne oder schnaufenden Stier an.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums LA8 mit dem Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover, und dem Historischen Zentrum Wuppertal. Sie ist bis zum 5. März 2017 in Baden-Baden zu sehen, bevor sie dann zunächst ab April 2017 nach Hannover und anschließend nach Wuppertal zieht. Ein umfangreicher Katalog begleitet die Ausstellung.

 

 

 

 

Technische Paradiese