Das Museum LA8 an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden ist einzigartig innerhalb der Museumslandschaft Deutschlands. Es widmet sich den Wechselwirkungen von Kunst und Technik im 19. Jahrhundert. Thematisch interessieren Bereiche wie die Fotografie, das Nebeneinander von Telepathie und Telefonie, die frühen visuellen Massenmedien, die ersten Touristen, das Papiergeld, aber auch soziale „Erfindungen", wie die Kindheit, die Kleinfamilie oder die Schulpflicht, die Revolutionen der Kunst und die großen technischen Erfindungen.

Das Museum ist Teil des ebenfalls im März 2009 von der GRENKE-Stiftung eröffneten Kulturzentrums LA8 im historischen Anwesen an der „Museumsmeile", der Lichtentaler Allee. Das Museum LA8 feierte also 2019 sein 10-jähriges Bestehen.

 

 
 
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Die Welt von oben. Der Traum vom Fliegen im 19. Jahrhundert

Richard Neuhauss (1855–1915), Otto Lilienthal am Fliegeberg in
Lichterfelde (Berlin), 1895, Silbergelatineabzug, Otto Lilienthal-Museum, Anklam

28. September 2019 bis 1. März 2020

Das Fliegen hat Künstler und Techniker aller Epochen beschäftigt. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Fotografien, Maschinen, Modelle und Pläne aus dem Zeitalter, in dem das Fliegen technische Realität wurde: dem 19. Jahrhundert. Die Menschen hatten lange nur davon träumen können, sich die Flugtechnik der Vögel anzueignen und das göttliche Gefühl zu genießen, die Welt von oben zu betrachten. Der endgültige Durchbruch vom Traum zur technischen Realität des freien Flugs durch die Lüfte gelang Otto Lilienthal (1848–1896) zu Beginn der 1890er Jahre. Die der Vogelschwinge nachgeformte Tragfläche war für Lilienthal der Ausgangspunkt, der zu ersten erfolgreichen Gleitflügen und zur Entdeckung der bis heute angewandten Prinzipien des Auftriebs führte. Was den Gedankenflug der Künstler das gesamte 19. Jahrhundert hindurch beflügelt hatte, wurde zur revolutionären Techniktatsache: Zeit und Raum stehen nicht mehr fest, mit dem Flugzeug relativiert sich alles.

Lange war der Himmel den Vögeln und den Göttern vorbehalten gewesen. Dädalus wagte das mythische Abenteuer, Vogelschwingen nachzubauen, um seiner Gefangenschaft auf dem Luftweg zu entkommen. Das himmlische Privileg der antiken Götter und der christlichen Heiligen bestand aus ihrem souveränen Gleiten durch die Lüfte, ihrer mühelosen Überwindung aller Schwerkraft. Auch Götterboten, Engel, Genien und Eroten schweben durch die Lüfte, manchmal gestört durch Dämonen und Hexen. Diese Luftwelt hatten stets die Künstler zugänglich gemacht – bis die Piloten kamen.

In der Ausstellung sind unter anderem Werke von Francisco de Goya, Honoré Daumier, Hans Thoma und Max Klinger zu sehen. Den wenig bekannten Flugexperimenten des berühmten Malers Arnold Böcklin wird erstmals breiter Raum gegeben. Die Pionierflüge Otto Lilienthals begeisterten die Fotografen, was zu spektakulären fotografischen Zeugnissen dieser Technikrevolution führte. Der als Fabrikant, Erfinder, Spielzeugentwickler und Theatergründer tätige Lilienthal erweist sich als eine Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts. Das nach ihm benannte Museum in Anklam ist Kooperationspartner der Ausstellung. Ergänzt durch viele Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, bietet die Gesamtschau ein breites Panorama von Flugtraum und Flugwirklichkeit im 19. Jahrhundert.

 

BADEN IN SCHÖNHEIT. Die Optimierung des Körpers im 19. Jahrhundert

Bauchschwimmen und Rückenschwimmen, aus: Friedrich Eduard Bilz: Das neue Naturheilverfahren, Leipzig 1910, Privatsammlung

Ab dem 21. März bis 6. September 2020

Wasser auf meiner Haut – beim Baden wirkt die äußere Wohltat zugleich als innere Erfrischung. Und ist die Grenze zwischen Körperhülle und seelischem Befinden einmal überwunden, ergeben sich weitere Möglichkeiten, durch die Verbesserung des äußeren Zustands das Selbstgefühl und die soziale Wirkung des Individuums zu optimieren. Wellnessbäder, Fitnessclubs, Körperkult bis zur plastischen Chirurgie, Zahnspangen für Teenager als medizinischer Standard – viele heutige Körpertechniken nehmen ihren Anfang in der Badekultur des 19. Jahrhunderts. Damals mischten sich künstlerische Ideale und medizinischer Fortschritt, Gesellschaftsutopien und Apparatetechnik zu einem neuen Menschenbild. Der Leib war nun nicht mehr Gott und Natur schicksalhaft ergeben. Als Körper wurde er zum Projekt, zum zukunftsoffenen Entwurf. Forschung und Wissenschaft ermöglichten den immer präziseren Eingriff in die menschlichen Organe und ihre Abläufe. Viele damalige Innovationen und Erfindungen sind bis heute gültig und erfolgreich, weil sie konsequent das Unsichtbare, das körperlich und seelisch Innere, mit dem Sichtbaren, dem Messbaren, Trainierbaren, Operierbaren verknüpften. Die mikroskopische Einsicht in Bazillen und Erreger führte zu allgemeiner Hygiene, klinischer Antisepsis und völlig neuen chirurgischen Möglichkeiten. Ab 1895 konnte mit der Röntgentechnik direkt in das Körperinnere hineingeschaut werden. Die moderne Technik schien eine Art rationalen Gesundheitszauber zu erlauben.

Eine Badekur konnte Entspannung, Erholung, Heilung, Training, Straffung, Verjüngung, Verschönerung bieten. Immer beinhalteten die Therapien Ziele oder Versprechungen, die unter der Hand zu Leitbildern des Körperselbst und Vorschriften der Lebensführung werden konnten.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Kooperationsprojektes BADEN gemeinsam mit dem Stadtmuseum Baden-Baden und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden statt.

 

 

Das Museum LA8 wird 10 Jahre alt! Viele Baden-Badener & Bekannte aus Kultur und Politik haben uns gratuliert (17 Min.), sehen Sie in unserem vergnüglichen Jubiläumsfilm, was den Baden-Badenern zu 10 Jahren Museum LA8 einfällt:

 

 

Jubiläumsfilm

Das Museum LA8 wird 10 Jahre alt! Viele Baden-Badener & Bekannte aus Kultur und Politik haben uns gratuliert (17 Min.), sehen Sie in unserem vergnüglichen Jubiläumsfilm, was den Baden-Badenern zu 10 Jahre Museum

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