unsere aktuelle Ausstellung: Lesser Ury und das Licht

Lesser Ury rauchend im Atelier (Selbstbildnis), um 1912. Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Vom 5. April bis zum 31. August 2014 zeigt das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts die Ausstellung „Lesser Ury und das Licht“. Die Ausstellung ermöglicht die Wiederentdeckung des großartigen Berliner Malers Lesser Ury (1861-1931). Zur kunstgeschichtlichen Bedeutung dieses deutschen Impressionisten tritt der technikgeschichtliche Übergang hinzu, von der seine Bildmotive handeln. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandert das Licht von der Natur in die Metropole. Mond- und Sonnenlicht werden zu Gaslampe und Strombeleuchtung.

Langfristiger Ruhm und die verdiente breite Anerkennung dieses jüdischen Malers wurden von persönlichen und politischen Einschnitten immer wieder behindert. Am nachhaltigsten wirkte sich die Verfemung seines Werkes durch die Nazis ab 1933 aus. Früh war das überragende Talent des jungen Zugereisten in Berlin erkannt worden. Adolph von Menzel verschaffte dem jungen Ury 1890 eine bedeutende Akademieauszeichnung. Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann erkannten in Lesser Ury ihren künstlerischen Mitstreiter. 1892 kam es allerdings zwischen Ury und Liebermann zu einem persönlichen Zerwürfnis, was Ury zunehmend isolierte, während Liebermann kunstpolitisch zur überragenden Berliner Malerpersönlichkeit jener Jahre aufstieg. Später von Corinth wieder in die Berliner Secession miteinbezogen, erlebte Ury die triumphale Ehrung seines Lebenswerkes in der Nationalgalerie Berlin 1931 nicht mehr. Er verstarb wenige Wochen vor der Eröffnung seiner großen Ausstellung.

Die Baden-Badener Ausstellung trägt zu einer Neubewertung des Werkes von Lesser Ury in seiner kunstgeschichtlichen Bedeutung und seiner technikgeschichtlichen Zeitzeugenschaft der Epoche bei. Denn Ury war ein Maler der Metropole ebenso wie der menschenleeren Natur. In seinem Werk werden wir Zeugen, wie sich das Licht aus dem Wald oder vom Seeufer hinüber in die Stadt verlagert. Im 19. Jahrhundert ist das eine epochale Spannung: Sieht Mondlicht im Wald kälter oder wärmer aus als Gaslicht im Café? Anders als im französischen Impressionismus führt Licht bei Lesser Ury nicht zur Auflösung aller Dinge und Inhalte in komplementäre Farbwerte. Als Maler lässt sich Lesser Ury auf das Abenteuer ein, die Oberflächenwirkung des Lichtes hochpräzise einzufangen und zugleich die Existenz der Menschen und Gegenstände unter ihrer Oberfläche darzustellen. Er vermag, impressionistische Sensitivität für Lichtreflexe mit Schwarz als Malfarbe auf der Leinwand zu kombinieren. Die dunklen Automobile, deren Scheinwerfer sich auf den nassen Straßen Berlins spiegeln, verdichtet er zu einem prägnanten Signet der Großstadt.

 

 

Die Gesellschaft FREUNDE DER KÜNSTE empfiehlt die Ausstellung auf ihrer Seite unter folgender Überschrift:

Ausstellung in Baden-Baden: Lesser Ury und das Licht - ermöglicht die Wiederentdeckung des großartigen Berliner Malers Lesser Ury

 

Reaktionen aus unserem Gästebuch:

 

„Fantastische Ausstellung“, „großartige Entdeckung“, „sehr informativ!“

 

 

 

unsere nächste Ausstellung: Krieg Spielen. Kunst und Propaganda vor dem Ersten Weltkrieg

Hans Bohrdt, Das „Erste deutsche Linienschiffgeschwader 1903“ vor Helgoland, Heliogravure

Ab 20. September 2014 bis zum 1. März 2015

 

Mehr als dem bösen Bildfaszinosum des Krieges widmet sich diese Ausstellung der heilen und bewohnbaren Welt, die im Krieg unterging. Die Widersprüche der Zeit – technologischer Fortschritt und obrigkeitsstaatliche Repression, souverän gesteuerter Wirtschaftsboom und mitunter schwankende politische Führung - werden in vielen Gegenständen und Bildern der Alltagskultur seit 1900 sichtbar.

 

Bevor der große Krieg kam, wurde an vielen Stellen innerhalb einer friedlichen Alltagswelt bereits Krieg gespielt. In der Ausstellung wird das damalige Leben in idyllisch anmutenden Städten, Gartenlauben, behaglichen Wohnungen und auf Familienfesten auf den historischen Fotografien von Caspar, Wilhelm und Robert Martin Eltner aus der Sammlung Simone Demandt lebendig. Aus diesem spektakulär umfangreichen, erstmals gezeigten Fundus erwächst ohne merklichen Übergang auch die Bildwelt der nahenden Katastrophe. Begeistert werden Flugzeuge und mobile Röntgenapparate bewundert – atemberaubende technische Neuheiten, die nur zu bald zu brutalem Einsatz kommen sollten.

 

Die politische Karikatur, von der hervorragende Exemplare in der Ausstellung zu sehen sind, lief vor 1914 zu beißender, hellsichtiger Hochform auf - und konnte bei aller Übertreibung den kommenden Horror kaum voraussehen. Aus heutiger Sicht ist eine andere Bildwelt fast aufschlussreicher. Kinderspiele waren oft Kriegsspiele. Dass sich ein Markt für Bausätze und Miniatureisenbahnen etablierte, zeugt vom sich ausbreitenden Wohlstand im Bürgertum.

 

Wer man aber als anständiger Deutscher sei, war hinter der bürgerlichen Fassade gar nicht so selbstverständlich. Die junge (Wieder-)Erfindung der Deutschen Nation stabilisierte sich durch aggressive Abgrenzung zur wirtschaftlichen und geopolitischen Konkurrenz aus Frankreich und England. Unter der Hand zog mit Schiffs-, Festungs- und Burgenbausätzen der Militarismus in die bürgerliche Kinderstube ein.

 

Einerseits war Deutschland seit dem deutschfranzösischen Krieg 1870/71 zu einer wirtschaftlichen Weltmacht herangewachsen. Nicht alle, aber immer mehr Deutsche genossen den wachsenden Wohlstand. Andererseits waren die freiheitlichen und demokratischen Rechte nicht so schnell gewachsen wie die technologische und militärische Kraft Deutschlands. „Unsere Zukunft liegt auf dem Meer“ – ein Ausspruch des deutschen Kaisers Wilhelm II. von 1898, ebenso expansionistisch forsch wie unfreiwillig abgründig. Das Deutsche Reich sollte Seemacht werden – und damit grausam baden gehen.

 

 

 

 

Die Ausstellung ist Teil des trinationalen Museumsnetzwerks, das mit insgesamt 35 Einzelausstellungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Geschichte des Ersten Weltkriegs umfassend aufarbeitet.

 

Mehr Informationen über die einzelnen Projekte können Sie hier abrufen:

 

www.dreilaendermuseum.eu/de/Netzwerk-Museen